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Wormwood gegen AEFW

Acropora fressende Plattwürmer (Acropora Eating Flat Worm = AEFW) sind eine Art parasitärer Plattwürmer, die sich von dem Gewebe der Acropora-Korallen ernähren. Diese Plattwürmer können für SPS-Aquarianer ein Albtraum sein, da sie schnell ein Riffbecken befallen und den raschen Tod von SPS Steinkorallenkolonien verursachen können. AEFW sind auch als Prosthiostomum acroporae bekannt und sind eine Art freilebender mariner Polyclad-Plattwürmer. AEFW sind oval geformt und können bis zu 6 mm lang werden.

Es gibt einige natürliche Tiere, die AEFW fressen, darunter einige Lippfischarten. Diese Fische fressen jedoch nur die erwachsenen Plattwürmer und nicht die Eier. Das Eintauchen der Koralle in Badelösungen führt zum Abtöten der erwachsenen Tiere, aber alle Eier werden vor dem Eintauchen geschützt und schlüpfen einfach wieder, wenn sie wieder in Ihr Aquarium zurückkehren. Das Verfahren des Baden von Korallen hilft, dieses Risiko zu minimieren, aber es ist wichtig, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um die Einführung von AEFW in das Riffaquarium zu vermeiden, da sie den Korallenkolonien schnell irreparable Schäden zufügen können.

Einmal in seinem Riffaquarium eingeschleust, bekommt man die Acroporastrudelwürmer schlecht wieder los. Ich stelle hier eine sog „in Tank“ Methode vor, um die Acroporastrudelwürmer direkt im Aquarium an der Ausbreitung und Vermehrung zu unterdrücken und sie so mittelfristig komplett aus dem befallenen Aquarium zu eliminieren.

Um das Mittel herzustellen, geht man wie beim Tee zubereiten vor. In einem Liter kochenenden Osmosewasser werden 50ml Wermutkraut (Artemisia absinthium L) gegeben. Im englischen heißt das Wermutkraut wormwood. Nach 24 Stunden wird dieser „Tee“ über einen Kaffeefilter gefiltert. Ich empfehle Wermutkrautpulver aus biologischem Anbau zu verwenden und kein Wermutkraut bzw. ganze Blätter. Davon werden ein bis zweimal täglich 3 ml pro 100l Liter Aquarienwasser dem Becken hinzugegeben. Es ist ratsam, die ausgewachsenen Strudelwürmer von den befallenen Acropora Korallen mit einem starken Wasserstrahl abzublasen, welche dann von den Fischen im Becken meist gierig gefressen werden.

Wermutkraut enthält mit 0,15 bis 0,4 % eine hohe Konzentration an Bitterstoffen aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone, darunter Absinthin mit 0,2 bis 0,28 % als Hauptkomponente.

Hier noch ein paar Informationen über den Lebenszyklus der AEFW.  Wärmeres Meerwasser verkürzt die Generationszeiten. Bei 27 °C dauert es durchschnittlich 11 Tage, bis die Eier schlüpfen, und 35 Tage, bis die Plattwürmer die Geschlechtsreife erreichen, was eine minimale Generationszeit von 38 Tagen ergibt, während bei 24 °C die Generationszeit 64 Tage beträgt. Wärmeres Meerwasser (24–30 °C) erhöht die Erfolgsquote beim Schlüpfen der Eier im Vergleich zu kühleren Bedingungen (21 °C). Das bedeutet, dass höhere Temperaturen zu einer höheren Populationsdichte von P. acroporae führen. Die Temperatur erhöht die Wachstumsrate von P. acroporae erheblich, wobei die Individuen bei wärmeren Temperaturen bei der Geschlechtsreife eine größere Größe erreichen, hatte jedoch keinen Einfluss auf die Lebensdauer der Jungtiere. Jungtiere, die sowohl schwimmen als auch kriechen können, können in Abwesenheit von Acropora zwischen 0,25 und 9 Tagen überleben und sich daher zwischen Korallenkolonien und miteinander verbundenen Aquarien verteilen.

 

Bademittel gegen AEFW

Ein gutes Bademittel gegen AEFW kann man einfach selbst herstellen. Es wird dazu Cajeput-Öl und Polysorbat 20 benötigt.

  • Polysorbat 20 (Polyoxyethylen(20)sorbitanmonolaurat, Tween 20) ist eine grenzflächenaktive Substanz, die als Emulgator und Netzmittel in Lebensmitteln, Reinigungsmitteln sowie im pharmazeutischen und biochemischen Bereich verwendet wird. Polysorbate werden synthetisch aus Sorbit (E 420), Alkohol und Fettsäuren hergestellt.
  • Cajeput gehört zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Die darin enthaltenen Wirkstoffe werden in der Medizin zur Durchblutungsförderung und als Expektorans eingesetzt. In der Naturheilkunde findet das größtenteils in Indonesien hergestellte atherische Öl, bekannt als Cajeputöl, Verwendung. Die Volksmedizin nutzt Cajeputöl als Breitspektrummittel. Hier kommt es traditionell gegen Erkältungs- und Rheuma-Beschwerden zum Einsatz. Außerdem wird es in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie angewendet. Cajeputöl wirkt stark antiseptisch und ist ein natürliches Insektizid/Parasitizid. Die Wirksamkeit beruht primär auf dem hohen Gehalt an 1,8-Cineol (auch Eucalyptol genannt) und weiteren Terpenen. Es wird erfolgreich gegen Schädlinge wie Strudelwürmer (Flatworms), Nacktschnecken (Nudibranchs) und andere korallenfressende Organismen eingesetzt.

Beide Produkte bekommt man ohne Einschränkung sehr einfach auf dem Markt zu kaufen.

Funktion von Polysorbat: Da ätherische Öle nicht wasserlöslich sind, dient Polysorbat als Emulgator. Es sorgt dafür, dass sich das Öl im Badewasser fein verteilt und die Korallenoberfläche gleichmäßig erreicht, ohne unverdünnte Öltröpfchen zu bilden, die das Gewebe schädigen könnten. 

Rezeptur: 100 ml Cajeput Öl in eine Flasche und 20 ml Polysorbat zugeben. Danach gut vermischen.
Füge 1L Osmosewasser um eine sehr starke Emulsion oder 2L Osmosewasser um eine Standardemulsion zu erhalten.

Die Mischung wird ausschließlich als separates Bad (Dip) und nicht direkt im Aquarium verwendet:
  1. Vorbereitung: In einem separaten Behälter wird Aquarienwasser mit der Mischung versetzt.
  2. Dosierungempfehlung:  1 Esslöffel pro 4 Liter.
  3. Dauer: Die Koralle wird für 10 bis 20 Minuten im Bad belassen. Dabei sollte das Wasser leicht bewegt werden (z. B. mit einer kleinen Strömungspumpe oder durch vorsichtiges Schwenken), damit sich Parasiten lösen.
  4. Kontrolle: Nach dem Bad sollte die Koralle mit frischem Aquarienwasser abgespült werden, bevor sie zurück ins Becken gesetzt wird.

Schonende Behandlung: Im Vergleich zu aggressiven chemischen Dips ist diese Mischung sehr verträglich für das Korallengewebe und verursacht oft weniger Stressreaktionen (wie langes Schließen der Polypen). In Korallen-Dips löst es Strudelwürmer und Nacktschnecken von der Korallenoberfläche, indem es deren Haftmechanismen und Nervenfunktion stört.

Hinweis:  Wie die meisten Dips tötet auch Cajeputöl in der Regel keine Parasiteneier ab. Eine visuelle Inspektion und gegebenenfalls eine Wiederholung der Behandlung nach einigen Tagen sind notwendig.