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Aktuelle Nachrichten aus der Wissenschaft und rund um die Meeresaquaristik
Die Studie auf Nature untersucht, wie sich künstliche Siedlungssubstrate mit gezielt veränderter Chemie auf die unmittelbare chemische Umgebung junger Korallen auswirken und ob dadurch ihre Überlebensrate verbessert werden kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob eine leichte Erhöhung der lokalen Alkalinität – also der Fähigkeit des Wassers, Säuren zu neutralisieren – im Millimeterbereich rund um frisch angesiedelte Korallenlarven biologisch relevante Vorteile bringt. Dazu entwickelten die Forschenden Zementkacheln mit unterschiedlichen Beimischungen von Natriumcarbonat oder Natriumhydrogencarbonat und testeten sie unter realistischen Strömungsbedingungen in Flussrinnen. Parallel wurden glatte und strukturierte Oberflächen verglichen, um zu verstehen, wie physische Mikrohabitate und chemische Modifikationen zusammenwirken.
Das Forschungsteam testete Zementsiedlungskacheln mit vier Chemievarianten:
sowie zwei Oberflächenformen:
Die Kacheln wurden in Flussrinnen (Flumes) unter riffähnlichen Strömungsbedingungen getestet.
Ziel: Wie stark verändern die Kacheln den lokalen pH-Wert? Und: Wie wirkt sich das auf Ansiedlung, Überleben und Wachstum der Koralle Orbicella faveolata aus?
Die Ergebnisse zeigen, dass die chemisch modifizierten Kacheln tatsächlich den pH‑Wert in der Grenzschicht unmittelbar über der Oberfläche anheben können. Unter ruhigen Bedingungen fällt dieser Effekt deutlich aus, während er unter Strömung kleiner, aber stabil bleibt. Besonders die Beimischung von ein Prozent Carbonat oder Bicarbonat erzeugte eine moderate, aber konstante pH‑Erhöhung, die sich als biologisch vorteilhaft erwies. Überraschend war, dass zwei Prozent Carbonat unter Strömung weniger wirksam waren als erwartet, vermutlich weil die erhöhte Löslichkeit und schnellere Verdünnung den Effekt abschwächten.
Für die Ansiedlung der Larven spielte die Chemie jedoch keine Rolle. Entscheidend war die Oberflächenstruktur: Larven bevorzugten strukturierte Kacheln und siedelten sich bevorzugt in kleinen Vertiefungen an. Diese Mikrohabitate boten Schutz und Orientierung, führten aber später zu höheren Sterberaten, vermutlich weil die Durchströmung dort schlechter ist und sich CO₂ sowie Stoffwechselprodukte ansammeln können. Die Überlebensrate der jungen Korallen war dagegen klar von der Substratchemie beeinflusst. Kacheln mit ein Prozent Carbonat oder Bicarbonat führten zu signifikant höheren Überlebensraten, während zwei Prozent Carbonat vor allem auf glatten Oberflächen gute Ergebnisse zeigten. Das Wachstum der Korallen – gemessen an Höhe, Fläche und Volumen – wurde durch die chemischen Modifikationen jedoch nicht verbessert.
Insgesamt zeigt die Studie, dass eine gezielte Veränderung der Substratchemie ein wirksames Werkzeug sein kann, um die empfindliche Phase nach der Ansiedlung zu unterstützen. Entscheidend ist eine moderate Erhöhung der Alkalinität, die die pH‑Bedingungen in der unmittelbaren Grenzschicht stabilisiert, ohne negative Nebeneffekte zu erzeugen. Die Kombination aus geeigneter Mikrostruktur und leichter chemischer Modifikation bietet damit einen vielversprechenden Ansatz für die Korallenrestauration.
Für die Aquarienpraxis ist diese Studie überraschend relevant, weil sie zeigt, dass die chemische Mikroumgebung direkt am Substrat – also im Bereich von wenigen Millimetern – einen messbaren Einfluss auf das Überleben frisch angesiedelter Korallen hat. Genau dieser Bereich ist in Aquarien oft entscheidend, etwa bei der Aufzucht von Larven, der Anheftung von Frags oder der Gestaltung künstlicher Riffmodule.
Für DIY‑Substrate bedeutet das Folgendes: Eine leichte Beimischung von Carbonat oder Bicarbonat in Zement kann die lokale Alkalinität erhöhen und damit die pH‑Stabilität verbessern, ohne dass das gesamte Aquarium beeinflusst wird. Die Studie legt nahe, dass ein Prozent Beimischung ein sinnvoller Bereich ist, während höhere Konzentrationen nicht automatisch bessere Ergebnisse liefern. Entscheidend ist, dass die Substrate ausreichend ausgehärtet und gewässert werden, damit keine starken pH‑Spitzen entstehen, die im Aquarium unerwünscht wären.
Auch die Oberflächenstruktur spielt eine wichtige Rolle. Strukturierte Oberflächen fördern die Ansiedlung, doch zu tiefe oder schlecht durchströmte Vertiefungen können später zu Problemen führen. Für die Praxis bedeutet das: Mikrostrukturen ja, aber so gestaltet, dass Wasserbewegung weiterhin möglich bleibt. Flache Rillen, leichte Texturen oder sanfte Mulden sind besser geeignet als tiefe Löcher oder enge Spalten.
Für die Korallenpflege im Aquarium lässt sich daraus ableiten, dass die Kombination aus leicht alkalinitätserhöhenden Substraten und gut durchströmten Mikrostrukturen die empfindliche Anfangsphase nach der Ansiedlung verbessern kann. Besonders bei empfindlichen Arten oder bei der Aufzucht von Jungkorallen könnte dies ein einfacher, kostengünstiger und gut skalierbarer Ansatz sein. Die Studie zeigt damit einen Weg auf, wie Aquarianer mit relativ einfachen Mitteln die Überlebensrate junger Korallen erhöhen können, ohne das Gesamtsystem zu verändern.
Mehr Informationen: Melissa Ruszczyk et al, Alkalinity-enhanced artificial substrates modulate local pH and increase survivorship of early-stage coral recruits, Communications Earth & Environment (2026). DOI: 10.1038/s43247-026-03414-1
Traditionelle Korallentaxonomie, die auf Skelettmorphologie basiert, widerspiegelt die tatsächliche Artenvielfalt und systematischen Beziehungen innerhalb des Acropora hyacinthus-Komplexes nicht korrekt. Durch die Kombination von molekularer Genomik mit morphologischen Vergleichen wurde die Taxonomie dieses Korallengruppenkreises überarbeitet.

Unaufgeklärte Abstammungslinien tischförmiger Acropora aus der vorliegenden Studie. (a, b) Acropora cf. tanegashimensis, 54-5935, Ryukyu-Inseln, Japan. (c, d) Acropora sp. VI-HB, 22Pse25, Orpheus Island, Great Barrier Reef, Australien. (e, f) Acropora sp. VI-4, 29-4585, Aceh, Indonesien. (g, h) Acropora sp. VI-3, 29-8193, Aceh, Indonesien. (i, j) Acropora sp. VI-1, 79-0666, Solitary Islands, New South Wales, Australien. (k, l) Acropora sp. VI-2, GBR134, Myrmidon Reef, Great Barrier Reef, Australien.
Die Forschenden nutzten:
Ergebnisse:
▪ Die integrierte Analyse identifizierte 16 genetisch klar abgegrenzte Linien, die als eigene Arten angesehen werden können.
▪ Neun zuvor synonymisierte Arten wurden wieder als gültige Arten anerkannt (z. B. A. turbinata, A. surculosa, A. conferta).
▪ Fünf neue Arten wurden beschrieben:
Schlussfolgerungen / Bedeutung:
Mehr Informationen: Rassmussen SHCowman PFBaird AHCrosbie AJQuattrini AMBonito VSinniger FHarii SCabaitan PCFadli NTan CHung JYRongo THuang DHalafihi TBridge TCL. (2025) The tables have turned: taxonomy, systematics and biogeography of the Acropora hyacinthus (Scleractinia: Acroporidae) complex. Invertebrate Systematics 39, IS24049. https://doi.org/10.1071/IS24049
Der Artikel bietet eine umfassend aktualisierte Übersicht über die Korallengrundeln der Gattung Gobiodon, die als obligate Korallenbewohner eine wichtige Rolle im Ökosystem tropischer Riffe spielen. Trotz ihrer ökologischen Bedeutung werden sie in vielen Biodiversitätsstudien übersehen, vor allem wegen der schwierigen Artbestimmung.
Die Autoren stellen:
Die Gattung Gobiodon lebt vor allem in Korallen der Gattungen Acropora, Stylophora, Hydnophora und Echinopora und zeigt ausgeprägtes kryptisches Verhalten. Der Artikel schließt damit eine wichtige Lücke in der Feldidentifikation und Biodiversitätsforschung.

Mehr Informationen: Hildebrandt, C.A., Froehlich, C.Y.M., Klanten, O.S. & Wong, M.Y.L. (2025) Goby spotting: An updated guide to coral gobies (Genus: Gobiodon) in the Indo-Pacific Region. Zootaxa, 5723 (2), 151–188. https://doi.org/10.11646/zootaxa.5723.2.1
Eine Studie in den USA untersucht die ökologischen Risiken des US-amerikanischen Onlinehandels mit Meerwasserfischen. Die Studie zeigt, dass etwa 90 % der angebotenen Arten direkt aus Wildfängen stammen, während nur ein sehr kleiner Anteil aus Aquakultur stammt. Von den 734 untersuchten Fischarten in vier großen Online-Shops waren 655 ausschließlich Wildfänge und nur 21 Arten stammten vollständig aus Zuchtbeständen. Besonders besorgniserregend ist, dass viele dieser Arten auf der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN stehen oder bereits rückläufige Populationen zeigen.
Zwar sind Nachzuchtfische im Durchschnitt rund 28 % günstiger als Wildfänge, dennoch dominiert der Markt weiterhin stark den Fang aus natürlichen Riffen. Diese Praxis belastet empfindliche Ökosysteme erheblich, da durch den Fang der Fische ganze Lebensgemeinschaften gestört und Korallenriffe zusätzlich geschwächt werden. Zudem ist die Herkunft vieler Fische schwer nachzuvollziehen, da es kaum Transparenz in den Lieferketten gibt.
Die Autoren fordern daher ein stärkeres Engagement für nachhaltige Alternativen, insbesondere den Ausbau der Aquakultur, die Einführung klarer Zertifizierungsstandards und strengere Kontrollen des Handels. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher sollen bewusster einkaufen und auf Herkunft und Fangmethoden achten. Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass eine nachhaltige Wasser- und Artenbewirtschaftung dringend notwendig ist, um die langfristige Stabilität mariner Ökosysteme und die Vielfalt der Korallenriffe zu sichern.
Mehr Informationen: Bing Lin et al, Extent of threats to marine fish from the online aquarium trade in the United States, Conservation Biology (2025). DOI: 10.1111/cobi.70155

Auf die Frage, warum Meerwasser schäumt und Süßwasser nicht, gab es bis dato noch keine exakte Antwort. Jahrzehntelang wunderten sich Fachleute, warum Luftbläschen im Meerwasser so stabil sind. Durch experimentelle Beobachtungen konnten Physiker dieses Rätsel nun lösen. Beobachtungen der Verschmelzung von Luftblasen in Wasser erklären, warum gelöstes Salz diesen Prozess verlangsamt und zu Schaum führt.
In der am 8. September 2023 veröffentlichen Arbeit bei „Physical Review Letters“ wird beschrieben, wie die Kräfte zwischen den im Salzwasser befindlichen Ionen dazu führen, dass das Wasser zwischen den Luftbläschen nur langsam abfließen kann. Das verhindert, dass die dünne Schicht einfach wegströmt. Die Ionen verzögern sozusagen den Zusammenprall der Bläschen erheblich, indem sie die Lebensdauer des dünnen Flüssigkeitsfilms zwischen den Bläschen verlängern.
Luftblasen, die in reinem Wasser aufgewirbelt werden, können leicht zusammenfließen. In Meerwasser oder anderen Flüssigkeiten, die gelöste Verunreinigungen enthalten, verschmelzen die Blasen jedoch viel langsamer, weshalb solche Flüssigkeiten oft einen dauerhaften Schaum bilden. Jetzt glaubt ein Team von Ingenieuren, die grundlegende Ursache für diesen Unterschied gefunden zu haben: subtile Kräfte, die durch Elektrolyte entstehen, d. h. mobile Ionen, die entstehen, wenn sich Stoffe in Flüssigkeiten auflösen. Bei einer Kollision zwischen zwei Blasen verringern diese Kräfte die Geschwindigkeit, mit der die Flüssigkeit, die die Blasen trennt, abfließen kann, erheblich. Dieses Verständnis, so die Forscher, erklärt, warum Schäume in salzigem Meerwasser so leicht entstehen.
In reinem Wasser verhielten sich die Blasen wie starre Kugeln, die sich ohne Formveränderung näherten und dann bei Kontakt miteinander verschmolzen. Bei Blasen in verschiedenen Elektrolytlösungen vollzog sich der Verschmelzungsprozess jedoch auffallend anders und in zwei Phasen. Zunächst wuchsen die Blasenoberflächen näher zusammen, wie in reinem Wasser. Sobald sich der Abstand jedoch auf etwa 40 Nanometer (nm) verringerte, flachten sich die „Vorderkanten“ der sich nähernden Oberflächen ab, als ob eine abstoßende Kraft vorhanden wäre. Diese Abflachung verzögerte die Blasenverschmelzung um 2 bis 14 Millisekunden, wie Experimente mit einer Auswahl von Elektrolyten und Blasen unterschiedlicher Größe ergaben. Die Forscher fanden heraus, dass bei einer Schichtdicke von 30-50 nm ein Unterschied in der Elektrolytkonzentration zwischen der Schicht und dem Rest der Flüssigkeit besteht. Dieser Unterschied erzeugt ein kleines Oberflächenspannungsgefälle und eine damit verbundene Kraft, die den Ausfluss der Flüssigkeit aus dem Film verlangsamt.