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Acropora hyacinthus

Wenn Korallen anders sind, als wir dachten: Forscher entdecken verborgene Arten

Traditionelle Korallentaxonomie, die auf Skelettmorphologie basiert, widerspiegelt die tatsächliche Artenvielfalt und systematischen Beziehungen innerhalb des Acropora hyacinthus-Komplexes nicht korrekt. Durch die Kombination von molekularer Genomik mit morphologischen Vergleichen wurde die Taxonomie dieses Korallengruppenkreises überarbeitet.

Unaufgeklärte Abstammungslinien tischförmiger Acropora aus der vorliegenden Studie. (a, b) Acropora cf. tanegashimensis, 54-5935, Ryukyu-Inseln, Japan. (c, d) Acropora sp. VI-HB, 22Pse25, Orpheus Island, Great Barrier Reef, Australien. (e, f) Acropora sp. VI-4, 29-4585, Aceh, Indonesien. (g, h) Acropora sp. VI-3, 29-8193, Aceh, Indonesien. (i, j) Acropora sp. VI-1, 79-0666, Solitary Islands, New South Wales, Australien. (k, l) Acropora sp. VI-2, GBR134, Myrmidon Reef, Great Barrier Reef, Australien.

Die Forschenden nutzten:

  • Proben aus 22 Regionen des Indo-Pazifiks,
  • phylogenomische Analysen mittels gezielter Erfassung ultrakonservierter Elemente (UCEs) und Exons,
  • morphologische Vergleiche mit Typmaterial,
  • genetische Artenabgrenzungsverfahren (SNP-Analysen).
    Daraus wurden primäre Arthosehypothesen (PSHs) gebildet und geprüft.

Ergebnisse:
▪ Die integrierte Analyse identifizierte 16 genetisch klar abgegrenzte Linien, die als eigene Arten angesehen werden können.
▪ Neun zuvor synonymisierte Arten wurden wieder als gültige Arten anerkannt (z. B. A. turbinata, A. surculosa, A. conferta).
▪ Fünf neue Arten wurden beschrieben:

  • A. harriottae sp. nov. (südöstliches Australien),
  • A. tersa sp. nov. (östliches Australien & westlicher Pazifik),
  • A. nyinggulu sp. nov. (östlicher Indischer Ozean & südliches Japan),
  • A. uogi sp. nov. (westlicher Pazifik),
  • A. kalindae sp. nov. (nordöstliches Australien).

Schlussfolgerungen / Bedeutung:

  • Die tatsächliche Artenvielfalt im A. hyacinthus-Komplex ist deutlich höher als bisher angenommen.
  • Viele Arten haben engere geografische Verbreitungen, was für Artenschutz und Management von Korallenriffen wichtig ist, da kleinräumig endemische Arten (z. B. A. harriottae) ein erhöhtes Aussterberisiko haben können.
  • Die Studie zeigt die Bedeutung integrativer Taxonomie (Genomik + Morphologie) zur Aufklärung von Artenvielfalt, besonders bei Gruppen, die genetisch divers, aber morphologisch ähnlich sind.

Mehr Informationen: Rassmussen SHCowman PFBaird AHCrosbie AJQuattrini AMBonito VSinniger FHarii SCabaitan PCFadli NTan CHung JYRongo THuang DHalafihi TBridge TCL. (2025) The tables have turned: taxonomy, systematics and biogeography of the Acropora hyacinthus (Scleractinia: Acroporidae) complex. Invertebrate Systematics 39, IS24049. https://doi.org/10.1071/IS24049

 

Wormwood gegen AEFW

Acropora fressende Plattwürmer (Acropora Eating Flat Worm = AEFW) sind eine Art parasitärer Plattwürmer, die sich von dem Gewebe der Acropora-Korallen ernähren. Diese Plattwürmer können für SPS-Aquarianer ein Albtraum sein, da sie schnell ein Riffbecken befallen und den raschen Tod von SPS Steinkorallenkolonien verursachen können. AEFW sind auch als Prosthiostomum acroporae bekannt und sind eine Art freilebender mariner Polyclad-Plattwürmer. AEFW sind oval geformt und können bis zu 6 mm lang werden.

Es gibt einige natürliche Tiere, die AEFW fressen, darunter einige Lippfischarten. Diese Fische fressen jedoch nur die erwachsenen Plattwürmer und nicht die Eier. Das Eintauchen der Koralle in Badelösungen führt zum Abtöten der erwachsenen Tiere, aber alle Eier werden vor dem Eintauchen geschützt und schlüpfen einfach wieder, wenn sie wieder in Ihr Aquarium zurückkehren. Das Verfahren des Baden von Korallen hilft, dieses Risiko zu minimieren, aber es ist wichtig, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um die Einführung von AEFW in das Riffaquarium zu vermeiden, da sie den Korallenkolonien schnell irreparable Schäden zufügen können.

Einmal in seinem Riffaquarium eingeschleust, bekommt man die Acroporastrudelwürmer schlecht wieder los. Ich stelle hier eine sog „in Tank“ Methode vor, um die Acroporastrudelwürmer direkt im Aquarium an der Ausbreitung und Vermehrung zu unterdrücken und sie so mittelfristig komplett aus dem befallenen Aquarium zu eliminieren.

Um das Mittel herzustellen, geht man wie beim Tee zubereiten vor. In einem Liter kochenenden Osmosewasser werden 50ml Wermutkraut (Artemisia absinthium L) gegeben. Im englischen heißt das Wermutkraut wormwood. Nach 24 Stunden wird dieser „Tee“ über einen Kaffeefilter gefiltert. Ich empfehle Wermutkrautpulver aus biologischem Anbau zu verwenden und kein Wermutkraut bzw. ganze Blätter. Davon werden ein bis zweimal täglich 3 ml pro 100l Liter Aquarienwasser dem Becken hinzugegeben. Es ist ratsam, die ausgewachsenen Strudelwürmer von den befallenen Acropora Korallen mit einem starken Wasserstrahl abzublasen, welche dann von den Fischen im Becken meist gierig gefressen werden.

Wermutkraut enthält mit 0,15 bis 0,4 % eine hohe Konzentration an Bitterstoffen aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone, darunter Absinthin mit 0,2 bis 0,28 % als Hauptkomponente.

Hier noch ein paar Informationen über den Lebenszyklus der AEFW.  Wärmeres Meerwasser verkürzt die Generationszeiten. Bei 27 °C dauert es durchschnittlich 11 Tage, bis die Eier schlüpfen, und 35 Tage, bis die Plattwürmer die Geschlechtsreife erreichen, was eine minimale Generationszeit von 38 Tagen ergibt, während bei 24 °C die Generationszeit 64 Tage beträgt. Wärmeres Meerwasser (24–30 °C) erhöht die Erfolgsquote beim Schlüpfen der Eier im Vergleich zu kühleren Bedingungen (21 °C). Das bedeutet, dass höhere Temperaturen zu einer höheren Populationsdichte von P. acroporae führen. Die Temperatur erhöht die Wachstumsrate von P. acroporae erheblich, wobei die Individuen bei wärmeren Temperaturen bei der Geschlechtsreife eine größere Größe erreichen, hatte jedoch keinen Einfluss auf die Lebensdauer der Jungtiere. Jungtiere, die sowohl schwimmen als auch kriechen können, können in Abwesenheit von Acropora zwischen 0,25 und 9 Tagen überleben und sich daher zwischen Korallenkolonien und miteinander verbundenen Aquarien verteilen.